LR Markus Meier - I chas äifach nid verschtoh …

Das Coronavirus ist noch nicht Geschichte. Dank restriktiver Massnahmen und der Disziplin der Bevölkerung hatte sich die Situation vorübergehend beruhigt, die Fallzahlen waren markant zurückgegangen. Nun steigen sie aber ebenso markant wieder an. Das ist der Preis für das Verhalten vieler Unvernünftiger und die Wiederöffnung der Grenzen. Personenfreizügigkeit ist auch Virenfreizügigkeit.

Noch mehr zeichnet sich eine andere, ebenfalls wachsende Welle ab – die der Folgen des Lockdowns in der Wirtschaft. Im zweiten Quartal sind die Stellenausschreibungen um satte 15 Prozent zurückgegangen. Immer mehr Firmen bauen Stellen ab, die Zahl der Arbeitslosen steigt. Zwar haben die Konsumausgaben wieder zugelegt, von einer langfristigen Stabilität kann aber kaum ausgegangen werden. Wenn bei uns – und auch ringsherum – die Konjunktur schwächelt, geht auch die Ausgabefreudigkeit der Bevölkerung zurück. Es wird gespart, weil niemand weiss, was noch kommt.

Dank massiver Unterstützung vonseiten der öffentlichen Hand – Bund, Kantone und auch Gemeinden – konnte bis jetzt Schlimmeres verhindert werden. Aber diese Quellen, aus denen bisher über 65 Milliarden Franken zur Verfügung gestellt werden konnten, sind endlich. Da ist es unbegreiflich, dass – nachdem man sich daheim vom Staat hat helfen lassen – es für einige doch tatsächlich die wichtigste Frage zu sein scheint, wann sie denn wieder im angrenzenden Ausland einkaufen können. Aber das konnten sich ja manche nicht einmal während der Sperrzeit «verklemmen», mussten doch die Zollbehörden insgesamt 2458 Schweizer Einkaufstouristen büssen. Insgesamt gab es sogar 8848 Zollbussen wegen Verstössen gegen die Corona-Massnahmen des Bundes.

Verwunderlich wirkt die Stimmung ennet der Grenze, wo man sich erst noch vor wenigen Wochen über zu viele Schweizer Kunden, parkplatzsuchende Helvetier und Abermillionen grüner Mehrwertsteuer-Rückerstattungszettel aufgeregt hatte. Dort sehnt man sich jetzt geradezu nach den Kunden aus dem Nachbarland. «Ich bin dankbar, wenn sie wiederkommen», lässt sich der Besitzer eines Blumenladens in Weil zitieren.

Die Begeisterung für das örtliche Ladenpersonal und die heimischen Hofläden während des Lockdowns, die Lobeshymnen, dass Einkaufen in der Region nachhaltig sei, die Umwelt schone, die Wirtschaft vor Ort stütze, Arbeitsstellen und damit das Auskommen vieler Familien sowie auch die wichtigen Ausbildungsplätze sichere – tempi passati, das alles scheint bereits wieder vergessen zu sein. Mindestens bis zu jenem Moment, in dem die eigenen Kinder, das Göttimäitli oder der Gottebueb eine Lehrstelle suchen – oder wenn Bund, Kantone und Gemeinden höhere Steuerfüsse traktandieren, weil die Steuereinnahmen sinken.

Gemäss einer früheren Studie der Credit Suisse kauften Schweizerinnen und Schweizer in den vergangenen Jahren jeweils für rund 11 Milliarden Franken ennet der Grenze ein. Um diese 11 Milliarden wären unsere Geschäfte mindestens so froh wie der Ladenbesitzer in Weil und dessen Kollegen. Denn die 11 Milliarden fehlen unserer Wirtschaft und uns allen – in Corona-Zeiten spürbarer als je zuvor.

Markus Meier, Landrat SVP, Ormalingen
 

Landrat Markus Meier