Es ist gut 80 Jahre her: Am 30. Oktober 1938 wird der Roman «Krieg der Welten» von Regisseur und Schauspieler Orson Welles als Hörspiel inszeniert. Welles berichtet in einer neuen Art von Einspielung im gekonnten Mix mit täuschend echten, damals im offiziellen Radio gebräuchlichen Elementen. Der über den Äther dargestellte Angriff der Marsianer auf die rohstoff- und wasserreiche Erde wirkt sehr real. Die von Welles eingespielten, authentisch klingenden Meldungen, dass das irdische Militär den ausserirdischen Invasoren hoffnungslos unterlegen ist und bei der Zerstörung der Städte hilflos zusehen muss, lösen bei vielen Leuten Panik aus. Sie halten das Hörspiel mit den «grünen Männchen» vom Mars in deren dreibeinigen Kampfmaschinen für Wirklichkeit und fliehen vor der (eben vermeintlichen) Attacke.

Zeitsprung: Ende Januar 2019 im Oberbaselbiet. Die «Grünen» (aus Gelterkinden, nicht vom Mars) inszenieren im Mix mit echt daherkommenden Elementen zwei (vermeintliche) Neubauprojekte. Auf der grünen Wiese werden zwei Monster-Bauprojekte propagiert. Pikant: In beiden Fällen sind dort laut geltender Raumplanung solche Bauten nicht zulässig. In Böckten werden 32 Luxuswohnungen ausgeschildert. In Rothenfluh wird mit einem Megaplakat eine Indoorzucht für Froschschenkel angekündigt. Offiziell daherkommende Bauprofile veranschaulichen den Baukörper dieser «Gourmetfabrik». Zur Klarstellung: In der Schweiz sind alle einheimischen Frösche geschützt. Nur ihr Import zum Verzehr oder derjenige von Froschschenkeln ist gestattet. Das unterschlagen die grünen Politikaktivisten ebenso, wie sie Standorte für Bauprojekte vorgaukeln, die auch ganz ohne Zersiedelungsinitiative dafür gar nicht infrage kommen. Ob sie zumindest daran gedacht haben, die Landeigentümer um deren Zustimmung für diese Aktion anzufragen? Wahrscheinlich eher Nebensache. Ziel beider Guerilla-Aktionen: Stimmungsmache für die Zustimmung zur von den Jungen Grünen lancierten Zersiedelungsinitiative.

Wie schon gesagt: Die «Grünen Gelterkinden» sind keine Marsianer. Sie haben auch keine Kampfmaschinen. Trotzdem weist deren aktuelle Aktion Parallelen zum 80-jährigen Hörspiel auf. Genau wie seinerzeit werden Unwahrheiten verbreitet. Und analog zu damals setzen die Aktivisten mit den angebrachten Bauprofilen ein offizielles und im Bauumfeld gebräuchliches Instrument ein. So heisst es denn auch in der Baselbieter Verordnung zum Raumplanungs- und Baugesetz neben anderem:«Bauten über der Erde sind ausreichend zu profilieren» und «Bei Bauten, die unter der Erde liegen oder deren Konturen erst nach Erdbewegungen sichtbar werden, sind die Ecken mit Pfählen von wenigstens1 m Höhe zu markieren» oder dann «Das Aufstellen der Bauprofile soll den Nachbarn und weiteren Interessenten ermöglichen, sich eine Vorstellung über das Bauvorhaben zu machen».
Zum Glück sind die aufmerksamen Stimmbürger weder geflohen noch haben sie sich von der fragwürdigen Aktion der grünen Aktivisten ins Bockshorn jagen lassen. Vielleicht stellen sie sich aber jetzt die Frage, ob bei den Absendern nur die aktuelle Initiativ-Propaganda faktenfrei ist.