Wir leben in einer Neidgesellschaft. Ganz offensichtlich. Mit Erstaunen nehme ich zur Kenntnis, dass sich der Mieterverband drastisch gegen den Gegenvorschlag zur Wohnkosten-Initiative wehrt. Er spricht sogar von einer «Mogelpackung». Das ist eine rein ideologische Argumentation. Erstens wurde nie irgendetwas gemogelt, sondern der Landrat hat den Gegenvorschlag mit 58 gegen 15 Stimmen klar beschlossen. Zweitens profitieren vom Gegenvorschlag nicht nur die Wohneigentümerinnen und -eigentümer, sondern auch die Mieterinnen und Mieter. Erstmals soll nämlich im Baselbiet auf Gesetzesstufe ein steuerlicher Abzug festgehalten werden, wenn man sein Arbeitszimmer für Home-Office zur Verfügung stellt. Darüber hinaus wird die unfaire steuerliche Mehrbelastung der Wohneigentümerinnen und Wohneigentümer korrigiert. Diese hatten sie ab 2016 erlitten. Das Bundesgericht hatte von der Baselbieter Regierung verlangt, die zuvor gesenkte Eigenmietwerttabelle wieder nach oben zu setzen – was der Regierungsrat auch tat. Er verpasste es aber, die ebenfalls zuvor gesenkten Abzugsmöglichkeiten für den Unterhalt konsequenterweise auch wieder zu erhöhen. Die Folge: Eine steuerliche Mehrbelastung von durchschnittlich rund 400 Franken für die Baselbieter Wohneigentümerinnen und-eigentümer. Dass der Mieterverband den Gegenvorschlag zur Wohnkosten-Initiative bekämpft, obwohl selbst seine eigene Klientel bessergestellt wird, kann nur mit der eingangs erwähnten Neidgesellschaft erklärt werden. Man gönnt dem andern nichts, selbst wenn man selber profitiert.