Landrat und Sektionspräsident Hans-Urs Spiess konnte im Ribi-Treff eine beachtliche Besucherschar zur jährlichen Mitgliederversammlung begrüssen. Die Traktanden waren rasch abgehandelt. Das letzte Jahr war eher ruhig und die Rechnung schloss positiv ab.
Dem Sektionspräsidenten liegt die Fusionsinitiative auf dem Magen. Mit einem Bubentrick haben die Befürworter erreicht, dass wir über einen Verfassungsrat abstimmen sollen. Dieser soll, mit Sitzungsgeld honoriert, über die nächsten Jahre einen Vorschlag ausarbeiten. Spiess meint, allein da werde ein stolzes Sümmchen zusammenkommen. Es sei auch absehbar, dass die Sozialsysteme in einem neuen Kanton auf das Niveau von BS angehoben würden. Er fordert die Anwesenden auf, im Herbst dafür zu sorgen, dass alle Bekannten und Freunde abstimmen gehen.

Gastredner dieses Jahr war Nationalrat Toni Bortoluzzi, wiederum ein hochkarätiger Bundespolitiker. Er sei gerne gekommen, sagte Bortoluzzi und er kenne auch Ormalingen vom Militärdienst ein wenig – er sei vor 40 Jahren im Dorf einquartiert gewesen.
Als gegenwärtig amtsältester Nationalrat fühle er sich übrigens befugt, über das Parlamentsleben in Bern zu sprechen. Er glaubt im Verhalten der Parlamentarier oft den Zwang, sich zu positionieren zu erkennen. Es sei nämlich für ein normales Parlamentsmitglied nicht einfach, die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zu lenken. Parteipräsidenten, Fraktionschefs und Politiker, die extreme Ideen verträten, hätten es da leichter. Eine Möglichkeit, die Scheinwerfer auf sich zu lenken sind parlamentarische Vorstösse, von welchen gegenwärtig ungefähr 1‘500 hängig sind. Dass einige davon eher nebensächliche Themen behandeln, zeigte Bortoluzzi anhand einiger ausgewählter Beispiele. So fragte eine Dame den Bundesrat etwa, was er von einer nationalen Strategie für Männer- oder Väterhäuser halte.

Bortoluzzi pries das hohe Bildungsniveau im Rat. Fast die Hälfte des Nationalrats seien Juristen. Tiefbauarbeiter gebe es keine. Offen liess Bortoluzzi, ob er dies für gut halte. Er meinte aber, dass die Charaktere der Parlamentarier ein gutes Abbild der Schweizer Bevölkerung seien. Während jeweils drei Wochen Session habe man genügend Zeit, Kollegen und Kolleginnen zu beobachten und näher kennen zu lernen. Etwa den Aargauer Nationalrat in der Reihe vor ihm, der jeden Morgen alle Aargauer Zeitungen studiert und dazu geschrieben habe. Später habe er festgestellt, dass dessen Interesse vor allem den Todesanzeigen gegolten habe, und er allen Trauerfamilien eine offizielle Beileidsbekundung aus dem Bundeshaus geschrieben habe. Oder ein anderer Kollege, der immer kurz vor dem Bezahlen der Getränke einen Termin wahrnehmen musste. Dies ging gut, bis die verbleibenden Kollegen dem Kellner seine Visitenkarte gaben mit der Bitte, die Rechnung doch an diesen Herrn zu senden. Nicht, dass es den Nationalräten finanziell schlecht gehe. Als Neuer habe er 1991 eine Entschädigung von knapp 50‘000 Franken erhalten und es sei damit klar gewesen, dass er weiter seinen Beruf ausüben müsse. Dies müsse mit den heutigen Entschädigungen kaum noch jemand. Das habe wohl zu einer Professionalisierung geführt, produziere aber auch viel Leerlauf, weil mit jeder zusätzlichen Sitzungsstunde gutes Geld verdient werden könne.

Toni Bortoluzzi ist ein begnadeter Erzähler und die Anwesenden genossen seine humorvollen Beschreibungen der menschlichen Seite der Parlamentsarbeit sichtlich.


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Für den Vorstand
Fred Kohli